Red Bull verleiht sportlichen Erfolg

RB Leipzig Tickets kaufen und die Red Bull Arena live erleben
Foto: PercyGermany / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Zum ersten Mal seit 2009 hat Ostdeutschland einen Verein in der Bundesliga. Es sollte ein Grund zum Feiern sein – ein Zeichen dafür, dass der ostdeutsche Fußball nach zwei Jahrzehnten fragwürdigen Managements am Leben und gesund ist. Und doch hält sich die Freude in Grenzen. Stattdessen ist RB Leipzig einer der meist gehassten Vereine Deutschlands.

Energieschub durch Geldspritzen

Unterstützt vom Energy-Drink-Produzenten Red Bull ist RB Leipzig innerhalb von nur sieben Spielzeiten von der fünften in die erste Liga aufgestiegen. Erfolg nach Plan. Und vielleicht ein Team, das eines Tages dazu beitragen könnte, die Dominanz des FC Bayern zu brechen. Doch so sehen es die Wenigsten. Sie sehen in RB Leipzig symbolisch einen Verrat an allem, was dem deutschen Fußball Fan lieb und teuer ist. Tradition, Identität und vor allem die Fähigkeit der Fans, Einfluss auf die Art und Weise zu nehmen, wie ihr Verein geführt wird.

RB wurde 2009 als Nachfolgeverein für den Fünftligist SSV Markranstadt gegründet. Der heute viel gescholtene Gründer von Red Bull, Dietrich Mateschitz, hatte sich damit einen Traum verwirklicht, seinem wachsenden Fußballimperium einen deutschen Verein hinzuzufügen. Im Gegensatz zu Red Bull Salzburg und den New York Red Bulls war es der deutschen Mannschaft jedoch verboten, einen Sponsor ganz offiziell und klar erkennbar Namen aufzunehmen. Mateschitz benannte die Mannschaft kurzerhand in RasenBallsport Leipzig um. Spitzname: Die Bullen. Sehr spitzfindig.

Viel Feind, viel Ehr’

Es war der erste von vielen Schachzügen, um diverse Regeln zu umgehen. Der vielleicht größte Coup ist die Art und Weise, in der Red Bull sich mit der Frage der 50 + 1-Regel auseinandergesetzt hat. Diese dient nicht zuletzt dazu, Vereinsmitgliedern, Fans usw., weitreichenden Einfluss bei der Wahl des Vorstandes zuzugestehen. Die Red Bull Lösung für dieses Problem war einfach. Mitgliedsbeiträge von satten 800 € wurden erhoben. Mehr als das Zehnfache der Summe, die man zum Beispiel bei den Bayern zahlen müsste. RB Leipzig hatte dadurch phasenweise gerade mal 17 stimmberechtigte Mitglieder. Nicht gerade eine Lobby zum Fürchten. Obwohl sie am Wettbewerb teilnehmen, verhöhnt RB die Regeln, die die Rechte der Fans und die Traditionen schützen sollen. So macht man sich Feinde. RB ist mittlerweile so verhasst, dass viele Klubs ihren Fans versprechen mussten, dass sie keine Freundschaftsspiele gegen Leipzig ansetzen werden.

Für einige ist Red Bulls Engagement im deutschen Fußball einfach eine folgerichtige Entwicklung des durch-kommerzialisierten Fußballs. Dass dieses ausgerechnet Leipzig zugutekommt, halten einige für eine gute Sache. Leipzig ist schließlich der Geburtsort des Deutschen Fußball-Bundes. Doch in den 27 Jahren, seit dem Fall der Berliner Mauer, haben die Ostklubs kaum eine Rolle gespielt. Der ostdeutsche Fußball hat unter der benachteiligenden Assimilation seiner stolzen, alten Klubs in dieser Zeit sehr gelitten.

RB ist insofern ein Stück weit eine logische Konsequenz dieses sportlichen Elends. Mit ihrem beeindruckenden Jugendsystem, ihrem Aufstieg in die Bundesliga und ihrer wachsenden Fangemeinde hauchen sie dem ostdeutschen Fußball neues Leben ein. Etwas, worauf Fußballfans dort lange gewartet haben. Diese Fans verdienen sicherlich nicht den Spott, der von allen Seiten auf sie geworfen wird. Sie sind ein leidenschaftlicher Haufen und nicht anfällig für Gewalt. Es sind weitgehend normale Menschen, die es genießen, dass der Spitzen-Fußball endlich in ihre Stadt zurückgekehrt ist.

Made in ….. Austria?

Leipzigs Jugendsystem ist in der Tat beeindruckend. Sie haben Spieler, die Deutschland in fast jeder Altersgruppe vertreten. Doch gleichzeitig sind in der ersten Mannschaft kaum Spieler aus der DDR, geschweige denn aus Leipzig. Die Konsequenz einer übertrieben aggressive Transferpolitik, wenn es darum ging, die besten 15- und 16-Jährigen in Deutschland und Osteuropa zu schnappen. Wie Rangnick damals jedoch betonte, passt das nur zu einem Club mit großen Ambitionen. Und mit nicht minder großem Geld.

Man sieht also, dass die Identitätsstiftung Ost über die Wahl des Standorts leider nicht wesentlich hinausgeht. Aber so romantisch ist der Fußball ja auch im Westen nicht mehr wirklich. Da kann man freundlich in Hoffenheim nachfragen.

Wer auch privat den Fußball mit Geld in Verbindung bringt, der kann dies nun auf www.wettquoten.com mit demselben Ehrgeiz tun, wie ein Herr Mateschitz. Am besten zu einem Red Bull. Dann hält man auch die abendlichen Spielansetzungen in der Champions League durch.